Der Erfolg des ITF in der Schweiz ist unbestritten. Die hohen Fahrgastzahlen und die Akzeptanz in der Bevölkerung sprechen für sich. Heute gilt die Schweiz als Vorbild für einen modernen Bahnverkehr. Oft wird von Fahrgastverbänden gefordert, das Schweizer Konzept auch auf Deutschland zu übertragen und im gesamten Bundesgebiet einen ITF einzuführen.

Doch trotz vermehrter Forderungen und der offensichtlichen Vorteile wurde in Deutschland ein ITF bisher nur auf Regionaler Ebene eingeführt (z.B. der Allgäu-Schwaben-Takt). Von einem Flächendeckenden ITF in Deutschland ist man heute sogar weiter entfernt als noch vor 20 Jahren. Dabei stellt sich die Frage wieso es bisher keinen Flächendeckenden ITF in Deutschland gibt.

Die Antwort auf diese Frage ist eine Schlussfolgerung: An verantwortlicher Stelle in Deutschland will man den ITF nicht! Und diese Position ist durchaus nachvollziehbar, denn die Nachteile des ITF wirken sich in Deutschland wesentlich stärker aus als in der Schweiz. Dies liegt vor Allem an der Größe und an der Komplexität der Siedlungsstruktur in Deutschland.

Die Schweiz ist beispielsweise Flächenmäßig ungefähr so groß wie ein großes Flächenland in Deutschland. Und selbst in der Schweiz sind noch nicht alle Regionen mit dem ITF erschlossen. So sind zum Beispiel die Ostschweiz und das Tessin noch nicht in das System eingebunden. Der ITF konzentriert sich auf den bevölkerungsreichen Raum des Mittellandes, wo auch die ersten drei Taktknoten eingerichtet wurden. Der ITF wurde bisher also nur in einer geographisch relativ kleinen Region umgesetzt.

Die Siedlungsstruktur in Deutschland ist wesentlich komplexer. Zu den großen Städten und Ballungsräumen die über das ganze Land verteilt sind kommen noch viel kleine und mittelgroße Städte in unterschiedlichsten Entfernungen zueinander. Zu dieser Komplexität kommen noch die großen Entfernungen und mehr Konkurrenz durch Flug- und Automobilverkehr.

Festzuhalten ist also, dass die Grundvoraussetzungen für einen ITF in Deutschland und der Schweiz in vielerlei Hinsicht unterschiedlich sind. So Unterschiedlich, dass die Nachteile die ein ITF mit sich bringt in Deutschland viel stärker zu Geltung kommen und deshalb die Einführung eines ITF erschweren.

Doch muss dies noch lange kein Grund sein komplett auf einen ITF zu verzichten. In erster Linie bedeutet das nur, dass das “Schweizer Modell” sich nicht 1 zu 1 auf Deutschland übertragen lässt. Für ein grundlegendes System für einen “Deutschen ITF” ist es notwendig die passenden Merkmale aus der Schweiz und anderen Ländern herzunehmen und für deutsche Verhältnisse anzupassen und zu ergänzen. Dabei muss ein “Deutscher ITF” im Unterschied zum ITF in der Schweiz vor allem folgende Merkmale enthalten:

  • Mehr Flexibilität in der Fahrplangestaltung um sich der komplexen und dezentralen Siedlungsstruktur anzupassen
  • Zeitlich verteilte Nutzung der Bahnhöfe im Zusammenhang mit einer praktikablen Umsteigezeit
  • Stärkeren Fokus auf schnelle Punkt-zu-Punkt Verbindungen um eine Alternative zum Flugverkehr zu bieten, vor Allem auf langen Strecken zwischen den großen Städten und Metropolregionen

 

Neben diesen Merkmalen sind auch Merkmale des Schweizer ITF zu übernehmen:

  • Klares Liniennetz und
  • alle Linien im Taktverkehr während des gesamten Betriebszeitraumes

 

Auf den nachfolgenden Seiten werden nun drei Eckpunkte eines möglichen “Deutschen ITF” beschrieben.