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Die Sperrung der Rheintalbahn offenbart gravierende Versäumnisse in der Verkehrspolitik 21.August   2017   -   Die   Rheintalbahn   ist   seit   dem   12. August   gesperrt   und   bis   zur   Wiedereröffnung   werden   wohl   noch   viele   Wochen   ins   Land gehen.   Doch   so   lange   Fahrgäste   mit   einem   (zugegebenermaßen   unbequemen)   Umstieg   auf   den   Schienenersatzverkehr   ihr   Ziel   erreichen können   gibt   es   für   den   Güterverkehr   kaum   brauchbare   alternativen.   Und   so   verzögert   sich   der   Warentransport   um   mehrere   Tage,   wenn nicht sogar Wochen. Die dadurch entstehenden Verluste sollen bereits jetzt in die Millionen gehen. Ein Zwischenfall wie er beim Bau des Tunnels Rastatt geschehen ist mag durch verschiedene Maßnahmen vermeidbar sein. Trotzdem sollte man davon ausgehen, dass hier nicht leichtsinnig gehandelt wurde. Letztendlich werden das aber Experten beurteilen müssen. Jedoch sind Streckensperrungen durch unvorhergesehene Ereignisse wie Unwetter, Vandalismus oder auch Unfälle nie ganz ausschließen. Dass man hierauf nicht Vorbereitet ist zeigt die aktuelle Situation im Güterverkehr, denn Ausweichstrecken auf denen man zumindest einen großen Teil des Güterverkehrs abwickeln könnte gibt es nicht. Alle Strecken die in Frage kommen haben aber eines gemeinsam: Überall gibt es seit vielen Jahren Forderungen für den Ausbau und Beseitigung von betrieblichen Hindernissen. Wirklich passiert ist aber nichts. Die Gäubahn Stuttgart-Singen benötigt dringend einen zweigleisigen Ausbau. Dies ist zwar in erster Linie für einen attraktiven Personenverkehr notwendig, würde aber auch dem Güterverkehr zu Gute kommen. Zusätzlich könnte die "Singener Kurve" den Fahrtrichtungswechsel bei Güterzügen in Richtung Schweiz überflüssig machen. Passiert ist aber bisher nichts. Über die Elektrifizierung der Südbahn Ulm-Friedrichshafen und weiter nach Lindau wird schon seit Jahrzehnten geredet, wirklich beginnen sollen die Bauarbeiten aber erst im Jahr 2018. Und dabei bleibt durch die Eingleisigkeit zwischen Friedrichshafen und Lindau ein Nadelöhr bestehen, und das obwohl dieser Abschnitt auch in Zukunft ein betriebliches Hindernis sein wird. Die naheliegendste Ausweichstrecke für die Rheintalbahn Straßburg-Wörth führt bisher ein bahntechnisches Schattendasein. Auch hier würde ein Ausbau in erster Linie dem Personenverkehr dienen, könnte dann aber auch als Umleitungsstrecke für den Güterverkehr genutzt werden. Über lokalpolitische Forderungen sind entsprechende Maßnahmen aber noch nicht hinausgekommen, von konkreten Plänen oder Baumaßnahmen ganz zu schweigen. Möglichkeiten an Umleitungsstrecken gibt es also genügend, alleine die deutsche Verkehrspolitik hat es nicht geschafft diese Strecken in einen entsprechenden Zustand zu versetzen. Natürlich könnte keine dieser Strecken alleine die Züge der Rheintalbahn aufnehmen. Aber alle zusammen hätten eine gute Chance. Und so würde man bei Investitionen in die Infrastruktur an diesen Stellen nicht nur lokale Verbesserungen erzielen, sondern auch im Gesamtetz. Dabei hat eine grosflächige Investition einen weiteren großen Vorteil, denn dass mehrere Strecken gleichzeitig gesperrt sind ist sehr unwahrscheinlich. Eine einzelne Hauptverkehrsachse ist aber extrem verletzlich. Schon ein kleiner Zwischenfall kann den gesamten Verkehr lahmlegen, und das mit massiven Auswirkungen auf das Gesamtnetz. Und so ist es eine gewisse Ironie, dass man durch den Ausbau der Rheintalstrecke auf vier Gleise zwar die Kapazitäten erhöhen möchte, aber eben genau bei dieser Baumaßnahme die Anfälligkeit einer solchen Hochleistungsstrecke demonstriert. Der viergleisige Ausbau der Rheintalbahn soll hiermit allerdings nicht in Frage gestellt werden. Dieser ist absolut richtig und notwendig. Nur ist es falsch sich nur auf eine Hauptverkehrsachse zu konzentrieren. Der Ausbau der Rheintalbahn wird übrigens schon seit Jahrzehnten gefordert, und bis heute wurden nur vergleichsweise kurze Streckenabschnitte auf vier Gleise erweitert. Somit zeigt sich auch hier, dass man über viele Jahre nicht genügend in den Bahnverkehr investiert hat obwohl die Probleme und Zukunftsprognosen bekannt waren. Das Schienennetz ist kaum in der Lage den heutigen Ansprüchen zu genügen, geschweige denn den Anforderungen der Zukunft. Versprechen und Bezeugungen für die Bahn  gibt es seitens der Politik zuhauf. Auch das Ziel mehr Güter auf die Schiene zu verlagern gehört zum Standardrepertoire der deutschen und europäischen Politik. Doch Taten folgen leider kaum und die Konsequenzen können anhand der aktuellen Situation betrachtet werden. Die Transporte verzögern sich massiv und die Verluste gehen wohl in die Millionen. Vom beschädigten Image der Bahn ganz zu schweigen. Will man der aktuellen Situation doch etwas Gutes abgewinnen so muss man froh sein, dass wir uns mitten im Wahlkampf zur Bundestagswahl befinden und damit immerhin die Chance besteht, dass das Thema Bahn mehr in den Fokus der Politik kommt. Bleibt zu hoffen, dass es nicht wieder bei leeren Versprechungen bleibt.
Einst war die Lokomotive für den Menschen ein Ungeheuer aus Stahl, doch was ist sie heute anderes als ein bescheidener Freund, der jeden Abend um sechs vorbeikommt? Antoine de Saint-Exupéry
12.11.2017
Bild: umgeleiteter Güterzug auf der Gäubahn bei Rietheim am 19.08.2017